Supplement - Unsere Meinung - Beitrag "Tierversuche"
Unsere Meinung
Gedanken der 1. stellv. Bundesvorsitzenden zu einem besonderen Vorfall in Hamburg / März 2009
Die Geschichte von einer, die auszog, Tiere das Gruseln zu lehren
Tatort: das Hochsicherheitslabor des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Täter: eine "Forscherin", der während einer Injektion die Spritze aus der Hand rutschte.
Wie das? Hat sie nicht gegen das Gebot verstoßen, dass in eben diesem Hochsicherheitstrakt keine Nadeln verwendet werden dürfen? Mitnichten! Es geht in diesem Fall nicht um Menschen, es geht um Tiere.
Um was für eine Tierspezies handelte es sich im vorliegenden Fall? Um Ratte oder Maus? Um Kaninchen, Hund oder Katze? Wir wissen es nicht. War es ein Einzeltier, das sich die "Forscherin" gegriffen hatte, waren es mehrere? Auch das wissen wir nicht. Wir können aber versuchen, uns in die Psyche eines Tieres hineinzuversetzen, das, von Angst gepeinigt, aus seinem Käfig geholt wird, dann zitternd vor einer Frau im weißen Kittel sitzt und ergeben auf sein Schicksal wartet. Was steht ihm bevor?
Aus einer Zeitungsnotiz erfahren wir, was die vorgesehene Injektion mit dem hochgefährlichen "Ebola-Virus" bedeutet: "Der Erreger lässt die Blutgerinnung zusammenbrechen, zersetzt die Leber. Infizierte bluten aus der Nase und allen Körperöffnungen…" Dies alles weiß die Frau im weißen Kittel, aber was kümmert es sie - das vierbeinige Wesen vor ihr ist ein Forschungsobjekt. Damit ist die Sache für sie erledigt.
Nicht aber für das Tier. Als die Injektionsnadel in seinen Körper fährt, bäumt es sich, rasend vor Schmerz, auf, es möchte entfliehen, wird aber mit festem Griff einer Menschenhand daran gehindert.
Diese Hand gehört aber nicht zu der Frau im weißen Kittel - die hat jetzt andere Probleme, denn die Spritze rutschte vom sich aufbäumenden Tierkörper ab, bohrte sich mit Rasanz durch drei Paar Sicherheits-Handschuhe und mitten hinein in ihre Forscherhand.
Die nächsten drei Wochen wird die Frau nun unter Quarantäne stehen und, hermetisch von ihrer Umgebung abgeriegelt, unter einem Plastikzelt verbringen. Sie wird sich zwangsläufig und sehr persönlich mit der Tatsache zu beschäftigen haben, dass bis zu 90 Prozent aller Infizierten sterben und dass es im Übrigen keine Impfmöglichkeit gibt. Erst nach den drei Quarantäne-Wochen wird sich herausstellen, ob sich Ebola-Viren in ihrem Körper vermehrt haben.
Von einem Moment auf den anderen ist sie von einer Herrin über Leben und Tod selbst zu einem Sicherheitsrisiko mutiert, denn Ebola-Viren sind hochansteckend.
Genug Zeit, über die ethische Relevanz ihres Tuns nachzudenken, hätte sie jetzt. Ob sie sie nutzt? Wer weiß es. Eins aber ist sicher: Sie ist nun zweifellos zu einem interessanten Fall für ihre Forscherkollegen geworden. Sie weiß es natürlich am besten, dass weder Maus noch Katze, weder Hund noch Ratte, Kaninchen oder Affe dem Menschen vergleichbar sind und dass folglich bei Tierversuchen nichts Relevantes für den Menschen herauskommt.
Margret Giese
1. stellv. Bundesvorsitzende / Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Foto: Margret Giese














