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In Jägerhand: Nationalparke in Deutschland
Beispiel Nationalpark Harz
"ZeitenWENDE" (Ausgabe 28 / 2007)
Reinhard Hoffer
Ist es für unsere Partei inhaltlich von Bedeutung, was in deutschen Nationalparken geschieht? Ja, handelt es sich doch um die einzigen Schutzgebiete, in denen menschliches Eingreifen nicht vorgesehen ist - keine Forstwirtschaft, aber vor allem auch keine Jagd! Damit wären Nationalparke die einzigen Gebiete, in denen Tiere ohne Angst vor Menschen leben könnten - jedenfalls in der Theorie.
Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) nennt im § 24 in knappen Worten das Ziel,
das in Nationalparken erreicht werden soll: "Nationalparke haben zum Ziel, im überwiegenden Teil ihres Gebietes den
möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten ". Ferner dienen laut
BNatSchG Nationalparke der wissenschaftlichen Umweltbeobachtung, der naturkundlichen Bildung und dem Naturerlebnis der
Bevölkerung. Wäre es tatsächlich so, könnte man sich gemächlich zurücklehnen und sagen: Es gibt Schonräume, wenn nach
Experten-Meinung auch nur auf 0,5% der Fläche der Bundesrepublik, in denen man sich um das Wohl der Natur und der darin
lebenden Tiere und Pflanzen keine Sorge zu machen braucht. Der Mensch tritt nur als harmloser Beobachter auf. So ist es
auch tatsächlich in den meisten Nationalparken dieser Welt, z. B. in den USA, in Norwegen, in der Schweiz, in Italien.
Nur nicht in Deutschland!
Entgegen dem BNatSchG, entgegen weltweit anerkannten Vorschriften zum Schutz der
Natur – z. B. den Vorschriften der "International Union for Conservation of the Nature (IUCN)" - lässt
die Bundesregierung unter Federführung von Bundesumweltminister Gabriel zu, dass die Länder Nationalparke forstlich
ausräubern und massive Ausrottungsjagd betreiben. Worin liegen die Gründe dafür, dass Deutschland so negativ aus dem Rahmen
fällt? 1. Da das BNatSchG von den Ländern in Landesrecht umgesetzt werden muss, haben
die Naturschutzverbände aufgrund rechtlicher Positionen ein erhebliches Mitgestaltungsrecht. Es rächt sich heute bitter,
dass diese Chance nicht genutzt wurde. 2. In den Landesregierungen gelten ausgerechnet Förster als kompetente
Naturschützer. Tatsächlich sind diese Menschen Jäger, die Freude am Töten haben. Ein Harzer Nationalparkförster
brüstet sich sogar damit, schon in diesem Jahr den Wildfleischverkauf für das kommende Jahr geregelt zu haben –
wohlgemerkt geht es um das Fleisch heute noch lebender Tiere … 3. Als Absolventen der Forsthochschulen haben Förster gelernt, wie man Wald
wirtschaftlich nutzt; zum Schaden des Waldes und seiner Bewohner hat dies dann Priorität in ihrem späteren Berufsleben!
Wer von ihnen in Nationalparken in höhere Positionen aufsteigt, nimmt sich - skandalöserweise und natürlich illegal -
das Recht, im Sinne von Forstwirtschaft und Jagdideologie nach Gutdünken zu schalten und zu walten! Willfährige Forstbeamte
sind ihnen dabei als Handlanger zur Seite. Dieser gesamte Personenkreis hat alles Mögliche gelernt, nur eines nicht - die
Natur sich selbst zu überlassen! Die Praxis der Forstbeamten in den Nationalparken ist also für den Wald und
besonders für das Wild eine reine Katastrophe! Dr. Hans Bibelriether, der den Nationalpark Bayerischer Wald gegründet
hat, bestätigt die Erfahrung, dass bei Förstern der Wunsch, das im Studium gelernte Wissen umzusetzen, eine zwanghafte
Betätigungswut auslöst. Noch stärker aber wirkt die "Jagdleidenschaft", eine rationalen Argumenten kaum
zugängliche Passion. Da das Töten in unserer Gesellschaft nicht sehr angesehen ist, müssen
pseudorationale Begründungen erfunden werden. Eine der beliebtesten ist die Behauptung, die Jagd sei unentbehrlich,
auch in Gebieten, die ausdrücklich nicht wirtschaftlich genutzt werden dürften. Das Wild fresse andernfalls den Wald
auf, denn es vermehre sich explosionsartig, insbesondere weil der Mensch mittlerweile die Beutegreifer ausgerottet habe.
Ein Argument, das aus der Luft gegriffen ist! Die "Gefahr ", dass die Population einer Tierart in einem Gebiet
überhand nimmt, besteht in Wahrheit nicht, denn hierfür sorgen Mechanismen wie Krankheiten, Abwanderung, Nahrungsgegebenheiten
etc. Einige Wissenschaftler haben bereits erwogen, Rotwild auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten zu
setzen. Es gibt immer mehr Jäger, die immer mehr Wild liquidieren! Allein im
niedersächsischen Teil des Nationalparks Harz sind es 272 Schützen - Förster, Bonzenjäger und sonstige Jagdfreunde - die
auf immer weniger Wild schießen, egal, was ihnen vor die Büchse kommt. Es gibt ein weltweites Unverständnis dafür, dass
in deutschen Nationalparken forstliche Nutzung betrieben und gejagt wird! Exemplarisch seien hier einige Beispiele für "offiziellen
Rechtsbruch" allein aus dem niedersächsischen Teil des Nationalparks Harz aufgezählt. Sie machen deutlich, wie
schonungslos der Nationalpark-Gedanke mit Füßen getreten wird. Die Zahl des vorhandenen Wildes wird nahezu beliebig hochgerechnet. Beim Rotwild
wurden 2006/2007 willkürlich 320 Tiere zum Abschuss freigegeben, tatsächlich aber brachte man 372 Tiere um. Ein besonders begeisterter Jäger ist Nationalparkdirektor Pusch. Es ist klar, dass
ein Mensch mit dieser Mentalität an der Spitze der größten Nationalparkverwaltung der Welt keinerlei Änderungen am Status
quo erwarten lässt! Die Nationalparkverwaltung ist im Übrigen ihre eigene Jagdbehörde, womit jeder Willkür Tür und Tor
geöffnet sind. Ein Beleg für die anhaltende - und sogar zunehmende - Tötungswut ist die gerade
beschlossene Verlängerung der Abschusszeiten. Im Juni, wenn die Kälber geboren werden, geht es los. Danach soll vom 1. bis
15. September geschossen werden, und dann schon wieder ab 25. September, also in der Hirschbrunft /Paarungszeit. Wie
verwerflich dies ist, geht zum Beispiel daraus hervor, dass in Schweden in der Paarungszeit der Elche, der anderen
großen europäischen Hirschart, jede Jagd verboten ist. Die Wildtiere sollen wieder mit Hunden aus ihren Verstecken
herausgejagt werden. Es wird auch in Bereichen, den so genannten Kernzonen, getötet, die im
Nationalpark die höchste Schutzkategorie genießen. Selbst in diesen Kernzonen werden Hochsitze neu errichtet. Weltweit sind Nationalparke gut besuchte Touristenattraktionen, weil man dort
Tiere in freier Natur beobachten kann. Sie sind auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für ansässige Hotel- und
Gastronomiebetriebe. Im Gegensatz dazu ist der Naturtourismus im Nationalpark Harz praktisch zusammengebrochen.
Der Fremdenverkehr kommt mehr und mehr zum Erliegen, weil infolge der Ausrottungsphilosophie der Parkverwaltung
die Touristen mittlerweile so gut wie keine Wildtiere mehr zu sehen bekommen. In Braunlage hat es sogar schon einen
Mord und eine Selbsttötung gegeben, weil die Gäste ausbleiben. (DER SPIEGEL Nr. 31 vom 30.7.2007). Da stellt man sich
doch zu Recht die Frage: Inwieweit gibt es eine Verantwortung der Landesregierung für diese Verzweiflungstat? Um zu verdeutlichen, welche Verschwendung von öffentlichen Geldern durch einen
aufgeblähten Verwaltungsapparat von 122 Personen allein im niedersächsischen Teil des Nationalparks Harz stattfindet, lohnt
sich ein Vergleich mit dem Schweizerischen Nationalpark: Bei etwa gleicher Größe kommt man dort mit 30 Mitarbeitern
aus! Apropos Steuergelder: Allein die niedersächsische Landesregierung gibt Jahr für
Jahr ca. 8 Millionen Euro aus, um die Nationalparkverwaltung in der jetzigen Größe zu unterhalten. Nötig aber wären nur 2
Millionen, wenn man auf Jagd und Forstwirtschaft verzichten würde! Herr Pusch in einem Rundfunk-Interview: "Die
Nationalparkverwaltung will noch 50 Jahre so weitermachen wie bisher. " Dies bedeutet, dass 300 Millionen Euro
Steuergelder verschleudert werden, damit eine von der Landesregierung begünstigte Schar von jagenden und försternden
Beamten - samt eingeladenen Hobby-Jägern - ihre jagdliche Leidenschaft zu Lasten der Öffentlichkeit und des Naturschutzes
befriedigen kann! Angesichts der notorischen Geldknappheit wäre diese gewaltige Summe sinnvoller für Bildung,
Gesundheitswesen oder für soziale Zwecke zu verwenden. Dies Thema sollte auch den niedersächsischen Landesrechnungshof
interessieren! Die faktische Enteignung öffentlichen Eigentums - der zum Nationalpark erklärten
Landesforsten - zu Gunsten von Jägern und tötungswütigen Bonzen, lässt sich nur politisch stoppen. Dafür wird sich die
Tierschutzpartei einsetzen, zum Beispiel bei der niedersächsischen Landtagswahl im kommenden Jahr. IV. Quartal 2007 Weitere Informationen: www.buergerinitiative-nationalpark-harz.de.
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Foto: Initiative zur Abschaffung der Jagd







