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Vom Staat verfolgt
Tierrechtler werden wie Terroristen behandelt!
"ZeitenWENDE" (Ausgabe 29 / 2008)
Katrin Schmidberger und Stefan Bernhard Eck
Je mehr Anhänger der Tierrechtsgedanke weltweit findet, je mitgliederstärker Tierrechtsorganisationen werden und ihre Message in die Öffentlichkeit tragen, desto brutaler schlagen die Regierungen zurück, weil sie das Unrechtssystem der Tierausbeutung mit allen Mitteln aufrechterhalten wollen. Es geht schließlich um Geld, um sehr viel Geld, und da kennt "Bestie Staat" ( frei nach Friedrich Nietzsche) kein Pardon, denn die Tierausbeutungsindustrie ist eine der umsatzstärksten Industrien weltweit. Kein Wunder also, dass dem Schutz der Wirtschaft uneingeschränkte Priorität durch die politisch Verantwortlichen eingeräumt wird. Übertrieben? Ganz gewiss nicht!
Leider werden in unserem Lande Tierrechtler/innen bei Demonstrationen oder Jagdverhinderungen von der Staatsmacht immer häufiger von der Straße weg in Gewahrsam genommen. Sie werden von Verfassungsschützern gegen ihren Willen fotografiert, wie Schwerverbrecher "gefilzt" (kürzlich musste ein Aktivist zwecks Kontrolle potentieller Bomben- und Waffenverstecke sogar seine Hosen vollständig fallen lassen) oder verbal als "Tierrechtsterroristen" diskriminiert.
In Großbritannien denkt man beispielsweise bereits darüber nach, das Strafmaß für Tierschützer und Terroristen gleichzusetzen. Die ins Auge gefassten Strafmaßnahmen sollen nicht nur für Sachbeschädigungen von Tierversuchslaboren, "Pelztier"-Farmen oder von Schlachthäusern gelten, sondern auch bei einer "Glorifizierung militanter Aktionen" Anwendung finden. Für die Anstiftung zu Gewaltakten im Zusammenhang mit dem Tierschutz sind Haftstrafen bis zu sieben Jahren vorgesehen. Allein ein begründeter Verdacht auf Teilnahme an solchen Tierschutz-Aktionen soll dazu berechtigen, den Verdächtigen ohne Anklage für drei Monate in Haft zu nehmen.
Die legalisierte Ausschaltung der Gegner der Tierausbeutung in den USA erfolgt durch das "Animal Enterprise Protection"-Gesetz, das am 26. August 1992 - von der Öffentlichkeit unbemerkt - erlassen wurde. Es ist wie folgt zu interpretieren: Jeder, der erfolgreich oder erfolglos versucht, den reibungslosen Betrieb von Unternehmen (Wirtschaftsunternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen, Messen usw., die Tiere als Wirtschaftsgüter oder Versuchsmodelle benutzen) oder Betriebseinrichtungen zu zerstören und dem Unternehmen dadurch wirtschaftlichen Schaden zufügt, macht sich des Terrorismus schuldig. Damit wird die freie Meinungsäußerung zum Verbrechen!
In New Jersey wurde nun zum ersten Mal der "Animal Enterprise Protection Act" gegen sieben Tierrechtler der Tierrechtsorganisation SHAC angewendet. Resultat der skandalösen Gerichtsverhandlung: Seit dem 16. November des letzten Jahres sitzt Kevin Kjonaas, bekennender Tierschützer und Mitglied der Tierrechtsorganisation SHAC, unschuldig hinter Gittern.
SHAC ist eine international agierende Organisation, deren Aktivitäten sich gegen die Huntingdon Life Sciences-Labore (HLS) richten. Diese Labore in Huntingdon und Occold in England und East Millstone in New Jersey / USA testen Produkte wie Haushaltsreiniger, Pestizide und Lebensmittelzusatzstoffe an Tieren. Beispielsweise werden Haushaltsreiniger in die Mägen kleiner Hundewelpen gepumpt, was ihren qualvollen Tod nach sich zieht. Durch diese sinnlosen und brutalen Tierversuche werden jährlich rund 75.000 Tiere missbraucht, gequält und getötet.
Das Ziel der 1999 gegründeten Tierrechtsorganisation war es, die Schließung von HLS innerhalb von drei Jahren zu erreichen. Kevin Kjonaas (28) engagiert sich seit über 10 Jahren für Tierrechtsprojekte. Heute sitzt er im Gefängnis, weil er öffentlich seine Meinung äußerte. Ihm wurde zwar keine aktive Beteiligung an Zerstörungsaktionen gegen HLS-Einrichtungen vorgeworfen, jedoch sollen er und weitere fünf SHAC-Mitglieder sowie die Organisation "Stop Huntington Animal Cruelty USA" auf ihrer Internetseite dazu aufgerufen haben, etwas gegen die Verbrechen der HLS-Labore zu unternehmen.
Die Angeklagten wurden von Geschworenen, die alle Mittäter der Tierausbeutung sind, verurteilt. Durch das "Animal Enterprise Protection"-Gesetz wurden sie zusammen zu 23 Jahren Haft und zu über 1 Million US-Dollar Bußgeld verurteilt. Natürlich stehen hinter diesem Gesetz die mächtigsten Verbände der Tierausbeutungsindustrie. Die Angeklagten, die diskriminierend als "Animal-Rights-Terrorists" bezeichnet wurden, sind die ersten Aktivisten, die in den USA unter diesem Gesetz angeklagt und verurteilt wurden. Kurz vor seiner Festnahme erhielt Kevin die Nachricht eines SHAC-Mitarbeiters, dass sein Name auf der Liste der anstehenden Verhaftungen stehe; er solle sich in Sicherheit bringen. Aber er blieb zu Hause. Kurz danach standen Beamte von FBI und Secret Service vor seiner Tür. Über dem Haus kreiste ein Polizeihubschrauber. Kevin Kjonaas, auf dessen Kopf eine Waffe gerichtet war, wurde festgenommen. Er hatte niemals in seinem Leben Gewalt gegen Menschen angewendet.
Martin Luther King sagte einst: "Wir sind berufen, für die Schwachen, für die, die keine Stimme haben, zu sprechen."
Indem er genau dies tat, beging Kevin Kjonass in den Augen der Justiz ein Verbrechen - eine typische Täter-Opfer-Verdrehung!
I. Quartal 2008
Foto: SHAC Canada







